Sollen Senioren den Führerschein abgeben?
Jedes Jahr im Frühjahr findet sich jemand, der regelmäßige Gesundheitstests für alle Autofahrer fordert. Diesmal ist es der Hamburger Innensenator, der neben der ab dem Jahre 2013 bereits beschlossen Verlängerung des Führerscheins nach 15 Jahren weitere gesundheitliche Überprüfungen fordert.
Dies zielt eindeutig auf die Gruppe der Senioren, die in Hamburg den höchsten Verursacheranteil (61 %) am Unfallgeschehen haben soll.
Ist diese Aussage auch für Hessen und den Vogelsbergkreis richtig? Der Vorsitzende des Seniorenbeirats der Kreisstadt Lauterbach Michael Duschka hat die veröffentlichten Zahlen der Hessischen Polizei für das Jahr 2011 ausgewertet:
im Vogelsbergkreis registrierte die Polizei 2943 Verkehrsunfälle, davon 111 Unfälle mit Schwerverletzten. Der Anteil der Senioren über 65 Jahren lag unterdurchschnittlich bei 18,9 %.
In Hessen wurden 30.633 Verkehrsunfälle aufgenommen, davon verursachte die Gruppe der 18 bis 24 Jährigen allein 25,8 % der Unfälle, die Senioren waren auf Hessens Landstraßen mit 9,2 % beteiligt.
Hamburgs Innensenator sollte sich tatsächlich ernsthaft Gedanken machen, wie er die Situation in Hamburg verbessern kann.
Die Hauptunfallursachen im Vogelsberg sind überhöhte Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und Vorfahrtsverletzungen. Erst bei all den anderen Ursachen wie falsches Überholen, falsche Straßenbenutzung, falsches Abbiegen und Wenden erscheint dann die Unfallursache „Verkehrstüchtigkeit“.
Dennoch ist es unbestritten, dass im Alter Veränderungen des Sehvermögens, der Beweglichkeit, des Gehörs und des Reaktionsvermögens festzustellen sind.
Vernünftige Senioren richten sich darauf ein: sie wählen vertraute Strecken, fahren bei Tageslicht, fahren besonders aufmerksam und rücksichtsvoll. Die Verkehrstüchtigkeit älterer Menschen generell in Frage zu stellen ist diskriminierend.
Michael Duschka sieht die Fragestellung anders: Was können wir tun, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu verringern?
Jetzt sieht man sehr schnell, dass die Verkehrstüchtigkeit nur ein Teil von vielen Lösungsansätzen ist. Verkehrsüberwachung, Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h, 0,0 Promille Grenze, sind weitere wichtige Themen.
Und bei aller Statistik muss man auch die örtlichen Gegebenheiten sehen. Hier im Vogelsberg ist der öffentliche Nahverkehr nicht so attraktiv, dass ich auf das Auto verzichten kann. Ärzte, Apotheken, Lebensmittelgeschäfte sind nur mit dem Auto erreichbar. Auch der Arbeitsplatz – demnächst bis zum 70. Lebensjahr – ist nur mit dem Auto zeitgerecht ansteuerbar.
Daher sollten die Planer und Politiker sich neben Gesundheitschecks Gedanken machen, was erforderlich ist beim Straßenbau, bei den Parkplätzen, der Beleuchtung und der Beschilderung, um für alle Verkehrsteilnehmer das Autofahren sicherer und leichter zu machen.
Michael Duschka
Lauterbach, 19. April 2012,
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