Bekannterweise ist die Stadtbibliothek finanziell in Schwierigkeiten. Es wird nach Einschnitten gerufen, Sparmassnahmen, Rationalisierungen. Die Existenzberechtigung der kulturell wichtigen Einrichtung ,die auch überregional im Kreis präsent ist, zweifelt hoffentlich niemand an.
Auf meiner Finnlandtour in diesem Jahr habe ich eine irre gut organisierte Stadtbibliothek besucht, die mich sehr beeindruckt hat. Sie versorgt ein Gebiet von ca 40 000 Bürgern, wovon die Hälfte Schüler und Studenten der örtlichen Fachhochschulen sind. Man kann nicht alles kopieren, was andere machen, aber Ideen kann man sich abschauen:
Ausleihe: jedes Buch ist mit einem Chip versehen, RFID genanntes System, das über einen Scanner im Selbstbedienungsmodus gelegt wird, damit ist mit der vorher eigelegten Lesechipkarte die Ausleihe und Rückgabe im personalsparenden Modus möglich. Die Präsenzdatenbank wird davon jeweil aktualisiert, hoch effektiv und wirklich einfach zu bedienen. Kinder machen das schon selbst.
Lesesaal: 10 PC Plätze mit Internetanbindung, die man gratis stundenweise mieten kann, auch mit Voranmeldung. Für Lapatopbesitzer geht man sich eine Zweistundenpasswortlizenz holen oder eine 48-Std-Lizenz, die man in zwei Monaten abegeschafft haben muss. Mit Wireless kommt man weiter, wann man es auch immer will, alles gratis. Die Jahreschipkarte kostet 15.- Euro. Ruhige Ecken zum Lesen und Arbeiten in vielen Varianten, für Kinder eigene Pc- und Leseplätze im akustisch etwas entfernteren Bereich. Alles wir sehr intensiv genutzt.Öffnungszeiten Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 9-14 Uhr , nur der Zeitungslesesaal. Niemand braucht ohne Tageszeitung sein, die gibt es ausreichend für jedermann zu lesen. Im Untergeschoss Ruhe-Arbeitsraum für Forscher und Studenten, die ihre Sachen liegen lassen müssen. Die nutzen die Langzeitlizenzen für die Internetrecherchen über den Wireless-Zugang.
Bibliotheks-Bus: Er fährt die Dörfer an, bringt die Bücher mit, die bestellt wurden, bietet allen Service, soweit papiertechnisch möglich.Die Dörfer haben von der Gemeinde her alle preiswerte Internetverbindungen bekommen, Kosten um die 30.- Euro im Monat flatrate.
Personal: Zwei Personen im Tresenbereich zur Beratung, eine für die Archivierung, Hilfskräfte sonst.
Räumlichkeiten: Modern, hell, gemütlich, Holz, Farbe, Polster, übersichtlich, funktionell.
Vorschlag für LAT und VB-Kreis:
Zusammenlegung von allen Bibliotheken in den jeweiligen Altkreisgebieten, also zwei grosse Bibliotheken, eine Alsfeld, eine Lauterbach, mit gemeinsamen Datenbanken und Ausleihesystemen. Gegenseitige Aushilfe in Technik und Personal. Anbindung an die Unversitätsbibliotheken Marburg-Giessen, damit alles erreichbar und Fernleihe kein Problem. Schulen behalten nur die aller notwendigsten Präsenz-Nachschlagewerke, alles andere wird in die Zentrale integriert. Ein Bus fährt die Dörfer an, man macht Schulungen vor Ort, um die Dörfer per Internet an die Bibliothek anzubinden. Das erfordert flächendeckende Breitbandanschlüsse. Die Ausleihe modernisieren nach den neuesten Möglichkeiten, die Räumlichkeiten optimieren in Gebäuden wie dem ehem.Ruhl-Bau oder sonstigen Immobilienbrachen, die aber gross genug sind, Wachstum zu verkraften.
Hiermit würde die Finanzierung auf den Schultern der Städte und Gemeinden sowie des Kreises liegen, sicher einfacher, als alles jetzt sehr unvollkommen und mehrfach unterhalten wird.
Tragt die Ideen mal weiter, könnte fruchtbar sein.
Grüsse aus dem sonnigen Finnland im August.
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