22. März 2011

Wie können Senioren wohnen? Heute: Quartierswohnen

Im letzten Blogbeitrag sprach ich die Wohnform der WG an. Jetzt möchte ich eine Alternative vorstellen, die weniger bekannt ist, aber auch in ländlicher Struktur durchaus einen Mehrwert für das Seniorenwohnen hat: Das Quartierswohnen.

Ein Wohnquartier ist ein überschaubarer Bereich von Häusern, die relativ nahe beieinander liegen müssen, also maximal von einem Ende zum anderen ca. 500 Meter Entfernung voneinander haben. Alle Wohnungen in diesen Häusern sollten nach und nach seniorengerecht gestaltet werden. Das fängt bei den teuren baulichen Veränderungen an, um zu ebener Erde in die Wohnungen hinein und hinaus zu kommen, und führt dann über die Wohnungsinnenrenovierung im Sinne der Barrierefreiheit zu den Aufbaumaßnahmen der Nachbarschaftsbeziehungen.

Hierfür braucht man eine Person, die sich um die Kontakte der Wohnungsbewohner speziell kümmert, den “Kümmerer”, den Moderator, oder wie man die Person auch immer bezeichnen möchte.

Die Aufgabe dieser “Kümmerer” ist, Gemeinsamkeiten und gegenseitiges Kennenlernen zu zeigen bzw. zu vermitteln. Das kann man mit organisierten kleinen Treffen zwischen 2-6 Bewohnern machen, oder mit der Einrichtung eines regelmäßig besuchbaren Treffpunktes, an dem die Anliegen aller vorgestellt werden und auch vermittelt werden können. Dazu Kaffee und Kuchen, Saft und Bier, Wein und was auch immer, Spiele, Liedermittage, Seniorengymnastik u.v.a.m. . Der Kümmerer muss auf jeden Fall “Klinken putzen” gehen, denn von alleine kommen die älteren Bewohner eines Quartieres anfangs nicht zu den Treffen.

Bei solchen Treffen zeigen sich denn auch die verschiedenen Talente der Bewohner im Quartier. Man sollte als aktiver und fitter Senior/in noch bereit sein, wie bei einer offenen Nachbarschaftshilfe, auch in diesem geschlossenen System anderen seine Hilfe und Stütze anzubieten. Ein gemeinsamer Rundruf per Telefonkette, ein Hausnotruf, der sich an eine Zentrale anlehnt, und die regelmäßigen Treffen helfen Sicherheit zu generieren oder zumindestens der Vereinsamung der Seniorensingles entgegen zu wirken. Diese Koordinationstreffen kann man natürlich auch in den Gemeinschaftsräumen einer Senioreneinrichtung stattfinden lassen.

Die nächste Ausbaustufe wäre die Anbindung an eine stationäre Einrichtung, die vielerlei Dienstleistungen für ihre eher wenig aktiven Bewohner anbieten muss und diese auch den sogen. Externen anbieten könnte. Dies da wären: Tagspflege, Wäschedienst, Friseurdienst, Essensdienste, Besuchsdienste, Hauswirtschaftsdienste, ambulante Pflegedienste, Veranstaltungen unterhaltsamer und kulturell anspruchsvoller Art.

Durch die engen Kontakte mit dem Altenzentrum würden auch Vorbehalte bei der externen Bewohnerschaft abgebaut werden, die ja das Problem der Pflege im hohen Alter bewußt oder unbewußt verdrängt und die Entscheidungen in dieser Richtung vor sich herschiebt. Die Angehörigen der dann wirklich stationär Pflegebedürftigen hätten es dann leichter, Überzeugungsarbeit für die stationäre Einrichtungsunterbringung zu leisten. Die Einrichtung hätte einen höheren Anteil an Nutzerbewohner zu erwarten, als dies sonst der Fall wäre. Also das wäre gut für alle Beteiligten.

Mal sehen, ob die Akteure des neu eingerichteten Pflegestützpunktes Vogelsbergkreis sich diese Variante ansehen und auf Umsetzbarkeit prüfen werden.

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