Der Arbeitskreis Neues Wohnen des Bürgernetzwerks Vogelsberg 2020 befasste sich in der letzten Sitzung mit den Aussagen zu der Studie über die Zukunft der Gemeinden im Vogelsberg.
Bisher diskutierte der Arbeitskreis bereits Möglichkeiten und gab Anregungen, wie man auch bei schrumpfenden Einwohnerzahlen und fehlender Infrastruktur selbstbestimmt sogar im hohen Alter in der gewohnten Umgebung leben kann.
Die Themen reichten vom Mehrgenerationenwohnen, kommunikativen Treffpunkten, gemeinschaftlichem oder betreutem Wohnen, Verbesserungen der Wohnsituation insbesondre in Hinblick auf Barrierefreiheit, Sicherung des Wohnumfeldes aus kommunaler Sicht, Beratung, Hilfen aus einer Hand bis hin zum Wohnen im Quartier unter Einbindung einer stationären Einrichtung wie z.B. des Sozialzentrums der AWO, so Michael Duschka.
Die schrumpfenden Zahlen im Vogelsberg sind gleichzeitig verbunden mit einem Anstieg der Zahl der Älteren und damit auch der Pflegebedürftigen. Es werden zukünftig mehr Menschen im Vogelsberg leben, deren Alltagskompetenz eingeschränkt ist.
Da aber die Zahl der erforderlichen Pflegekräfte auch aus finanziellen Gründen nicht parallel steigen wird, sind wir vermehrt auf gegenseitige Hilfe angewiesen.
Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, dass ehrenamtlich Tätige und Selbtsthilfeorganisationen, die Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz unterstützen, finanziell gefördert werden sollen. Entsprechende Gesetzesänderungen bestehen bereits im Sozialgesetzbuch XI. Auch die Einrichtung von privaten Pflegegruppen für dement Kranke wird konkret gefördert.
Hier sind die Kommunen gefordert. So könnten Dorfgemeinschaftshäuser, die nicht mehr ausreichend genutzt und nicht mehr finanziert werden können, z.B. privaten Pflegegruppen zur Verfügung gestellt werden.
Aber auch die Verbände wie z.B. das Diakonische Werk könnten überlegen, ob es sinnvoll ist, teure Mietobjekte in den Großstädten zu finanzieren, obwohl im Vogelsberg zwischenzeitlich Immobilien leer stehen und kaum noch zu verkaufen sind.
Michael Duschka überlegt, das z.B. das Diakonische Werk in Frankfurt 400 dement Erkrankte in kleinen Wohngruppen betreut. Wenn nur die Hälfte dieser Menschen in 20 Dörfern des Vogelsbergkreises in Pflegegruppen von 10 Personen beheimatet würden, wäre das ein Gewinn für alle.
Lautertals Bürgermeister Heiko Stock, der für Modellrechnungen die Daten seiner Gemeinde zur Verfügung gestellt hat, formuliert es bei der Vorstellung der Studie so: es ist an der Zeit nicht nur zu reden, sondern zu handeln!
Die Teilnehmer des Arbeitskreises sind erfreut, dass der Landkreis mit dem Aktionsprogramm „Regionale Daseinsvorsorge“ den richtigen Weg beschritten hat. Das Bürgernetzwerk Vogelsberg wird als regionaler Akteur seine Gedanken dort mit einbringen.
Michael Duschka
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27. Januar 2012 um 10:07
Die Forderung von Herrn Bürgermeister Stock, nun endlich zu handeln und nicht nur zu reden, kann man nur unterstützen.
Die Gremien der Kreisstadt Lauterbach werden sich nun mit einem von der Nassauischen Heimstätte, gemeinsam mit dem Bürgermeister und der Verwaltung sowie Vertretern unseres Seniorenbeirates erarbeiteten “Kommunalen Infrastruktur- und Entwicklunkonzept unter Einbeziehung des demografischen Wandels für die Stadt Lauterbach” befassen, das angefangen von den Dorfgemeinschaftshäusern über den Bauhof, die Friedhöfe, die Feuerwehr, die Einrichtungen für Sport und Freizeit, die Kindertageseinrichtungen, die Bildungseinrichtungen, die medizinische Grundversorgung, die Pflegeeinrichtungen und das betreute Wohnen sowie schließlich die leitungsgebundene Infrastruktur, den ÖPNV und letztlich die interkommunale Zusammenarbeit neben einer Bestandsaunahme und Bewertung des gegenwärtigen Zustandes auch erarbeitete Perspektiven und Handlungsansätze vorschlägt, die es zu diskutieren und beginnend mit Pilotprojekten auch bald umzusetzen gilt.
Die Stadt Lauterbach handelt mit diesem Konzept sehr vorbildlich und vorausschauend und würde es sehr begrüßen, wenn kompetente Vertreter der Kommunen bei der Umsetzung des Aktionsprogrammes “Regionale Daseinsvorsorge” mit einbezogen würden. Schließlich lassen sich die meisten der im Rahmen unseres Konzeptes betrachteten Themenfelder, insbesondere auch die interkommunale Zusammenarbeit, sehr gut in einem solchen Arbeitskreis besprechen – es ist Zeit zu handeln, Vorträge und Fachtagungen zu dem Thema gab es nun wirklich reichlich genug.